Es ist ziemlich selten bei einem Regisseur Ihres Alters und mit Ihrer Erfahrung, dass er sich mit dem Mangel an religiösem Glauben beschäftigt … war das ein Weg für Sie, um den globalen Mangel an Glauben in unserer Gesellschaft zu erforschen?
Viele junge Leute haben Schwierigkeiten damit, sich zu einem bestimmten Glauben zu bekennen. Nichtsdestotrotz brauchen viele Menschen immer noch eine Art von Glauben.
Einmal mehr benutzen Sie als Mittel eher eine Fabel als eine realistische Schilderung, um Ihre Geschichte zu erzählen: warum?
Fabeln sind interessanter als die wirkliche Welt.
Sie mögen es, die Zuschauer zu schockieren oder zumindest, sie zu provozieren: Denken Sie, dies ist notwendig, um sich über bestimmte Dinge bewusst zu werden?
Wenn ich nicht provozieren würde, bekäme ich gar keine Reaktionen.
Hatten Sie während der Dreharbeiten oder bei der Auswertung im Kino Probleme mit der Kirche?
Im Gegenteil. Am 9. Juni dieses Jahres werde ich den Kulturpreis der dänischen Pastoren überreicht bekommen.
Ihre Figuren erfahren auf ihrer Reise allesamt eine Wandlung: Das scheint etwas sehr Wichtiges in Ihren Filmen zu sein ...
Ja, um erlöst zu werden.
Als Drehbuchautor – ist es da besonders wichtig, Humor und Gefühl zu vermischen, um das Gleichgewicht zu erhalten?
Für meine Arbeit ist das sehr wichtig. Wenn ich Drehbücher für andere schreibe, versuche ich natürlich, deren Ideen umzusetzen.
Sie arbeiten immer mit denselben Schauspielern, warum?
Wir funktionieren gut zusammen.
Da Sie sie alle so gut kennen, schneiden Sie die Rollen speziell auf sie zu?
Eigentlich nicht, aber wenn wir den Charakter gefunden haben, erarbeiten wir zusammen die Feinheiten der Figur.
Werden Sie in Dänemark für genauso politisch unkorrekt betrachtet wie im restlichen Europa?
Eigentlich nicht, in Dänemark sind wir ziemlich liberal und offen.
Stimmt es, dass Sie 40 Prozent von Dänemarks Filmerzeugnissen zu verantworten haben, entweder als Autor oder als Regisseur?
Nein, ca. 30 Filme werden in Dänemark pro Jahr produziert und ich bin bei ungefähr sechs Produktionen beteiligt, also ungefähr 20 Prozent.
Susanne Bier hat einmal über Sie gesagt: „Er hat einen echten Sinn für Katastrophen“: Was meinen Sie dazu?
Das könnte stimmen.
Denken Sie, dass Ihre Arbeit als Regisseur immer noch von Dogma beeinflusst ist? Wenn ja, inwiefern?
Überhaupt nicht, im Gegenteil, das war sie nie. Ich liebe es mit Licht, Ton, Special Effects etc. zu arbeiten.
Können Sie uns etwas mehr über die Situation des dänischen Kinos heute erzählen?
Dänemark steht auf Platz zwei in Europa bezogen auf die lokalen Filmproduktionen. 34 Prozent des Gesamteinspiels an der dänischen Kinokasse kommen auch von dänischen Filmen.
Hat Hollywood jemals Kontakt zu Ihnen aufgenommen?
Ja, und die Verhandlungen dauern an.
An welchen Projekten arbeiten Sie zurzeit?
An Drehbüchern für drei verschiedene Regisseure und an meinem eigenen neuen Film. Mehr sage ich nicht dazu.
Der Preis der Kirchenvertreter Dänemarks ist benannt nach dem Erzengel Gabriel und wird seit 2003 einmal im Jahr von einer Jury vergeben:
Auszug aus der Jurybegründung:
„Ein Neo-Nazi als Medium der Erlösung: dieser Adam, dieser nackte, gefallenen Mensch, muss zu seinem eigenen Erstaunen erkennen, dass er nicht imstande gewesen ist, das Gute, das er nicht wollte, abzuwählen, geschweige denn zu verhindern.
Der Film ist auch ein nachdenklicher Kommentar zur Rolle des Pastors. Der Pastor ist ein dostojewskischer Narr von der Art, der aus lauter Güte Katastrophen verursachen kann. Eines der provozierendsten Christus-Bilder, die man je gesehen hat – wenn man ihn überhaupt so auffasst. Er WILL wirklich alle lieben, er wird selbst zum Opfer, er überwindet den Tod – geschieht das alles wirklich nur zufällig?“